Schulabsentismus und die Folgen

Heinrich Ricking

1 Problemstellung
Eine wichtige Voraussetzung für ein integriertes Leben in der heutigen Gesellschaft bildet ein Mindestmaß schulischer Bildung, für die die regelmäßige Teilnahme am Unterricht Bedingung ist. Schüler, die trotz Schulpflicht nur unregelmäßig oder gar nicht mehr am Unterricht der Schule teilnehmen, begeben sich zumeist in negative Entwicklungen mit schwerwiegenden Folgen. Schulische Desintegration bleibt insofern kein schulisches Problem - ihr folgt mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit die berufliche und soziale Randständigkeit.
Die Kategorie des Schulabsentismus umfasst Schüler, die sich während der Unterrichtszeit weder im Klassenraum noch in der Schule aufhalten, sondern zeitgleich alternative Räume bevorzugen. Sie ist charakterisiert durch die physische Abwesenheit aus dem Wirkbereich Schule. Schulabsentismus lässt sich in das größere Feld schulablehnender (schulaversiver) Verhaltensmuster einbetten, bei denen häufig als Vorform die körperliche Anwesenheit noch gegeben ist, die Schüler jedoch den schulischen Prozessen und Anforderungen ablehnend gegenüberstehen und das auch auf der Verhaltensebene v. a. durch Verweigerungs- und Störverhalten zum Ausdruck bringen (SCHULZE / WITTROCK 2008).
Fehlende Schüler kommen aus allen sozialen Schichten und finden sich an allen Schulformen. Allerdings ist deutlich erkennbar, dass sich die Häufigkeit von Schulabsentismus und Dropout in sozial benachteiligten Milieus verdichtet. Auf der anderen Seite erleben wir jedoch auch häufige Fehlzeiten im Kontext von Wohlstandsvernachlässigung, bei der es nicht an Geld oder Wohnraum mangelt, sondern an Zeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung für die Kinder.
Das Ende einer Schulkarriere, die von Versagen und Versäumnissen bestimmt ist, zeigt oft ein trauriges Bild: Ein Schulabschluss wurde nicht erreicht, die auf dem Arbeitsmarkt geforderten Mindestqualifikationen liegen in weiter Ferne und die Perspektiven sind entsprechend ungünstig (Ricking & Schulze, 2012). Die Langzeitfolgen von andauerndem Schulschwänzen auf das spätere Leben sind somit außerordentlich groß! Diese negative Entwicklung unterliegt jedoch keinem Zwang, ist durch präventive Maßnahmen veränderbar, zumal viele Risikofaktoren und häufige Entwicklungsmuster bekannt sind.

2 Formgruppen
Schulabsentismus ist ein vielschichtiges Phänomen abweichenden Verhaltens von Kindern und Jugendlichen und umfasst als Oberbegriff alle Formen und Intensitäten illegitimer Schulversäumnisse. Hinsichtlich der Bedingungsfaktoren lassen sich drei Formgruppen, das Schulschwänzen, die angstbedingte Schulmeidung und Versäumnisse mit Elternbilligung (Zurückhalten) benennen (Ricking et al., 2009).

Schulschwänzen
Beim Schulschwänzen handelt es sich um ein Verhaltensmuster, bei dem Schüler im Rahmen einer ablehnenden Einstellung die Schule als Ganzes, Unterricht oder Lehrer missbilligen und dieses regelmäßig durch Fernbleiben vom Unterricht oder Zuspätkommen deutlich machen. Für sie sind die belebten Plätze der Stadt, die Einkaufsmeilen oder der abgelegene Fußballplatz attraktive Alternativen zur negativ erlebten Unterrichts- und Schulsituation. Schüler, die die Schule schwänzen, haben häufig den Eindruck, dass es vor dem Hintergrund einer wachsenden Perspektivlosigkeit sinnlos ist, dem Unterricht beizuwohnen, und fühlen sich, wenn sie in der Schule sind, unwohl. Dabei zeigt Schulschwänzen enge Bezüge zu Verhaltensmustern aus dem dissozialen Formenkreis (v. a. jugendliche Delinquenz, aggressive Konfliktregelung und Drogenmissbrauch), was auch im Kontext schulaversiver Cliquen zu beobachten ist (Frings, 2007). Schulisch zeigt sich der Zusammenhang zwischen Schulschwänzen und Leistungsversagen sehr prägnant, v. a. bezüglich Schülern mit hohen Fehlquoten (Baier, 2012). Regelmäßige Misserfolge, die in schlechten Leistungsbewertungen oder Klassenwiederholungen Ausdruck finden, sorgen auf Dauer für mangelnde
Lernmotivation, belastete pädagogische Beziehungen und Meidungsverhalten.

Angstbedingte Schulmeidung
Schulbezogene Ängste gehen entweder auf soziale oder auf leistungsthematische Probleme zurück. Bei letztgenanntem Aspekt verdichtet sich die Angst in Prüfungen zu versagen oder in der Klasse etwas präsentieren zu müssen beim Schüler in einem Maße, dass diese Situationen gezielt gemieden werden. Daneben können soziale Ängste ähnliche Folgen zeitigen, wie beispielsweise beim Mobbing / Bullying (Kindler, 2009). Mobbing geschieht systematisch und findet zunehmend auf Plattformen sozialer Netzwerke statt (sog. Cybermobbing). Die Opfer, die über einen längeren Zeitraum bedroht, bloßgestellt, schikaniert oder gedemütigt werden, meiden die Schule, um sich zu schützen.
Unter den nicht schulbezogenen Ängsten ist traditionell die Trennungsangst von Bedeutung. Aber auch hier ist weiter zu differenzieren: Nur ein Teil der Schüler verweigert den Schulbesuch, um nicht von der Hauptbezugsperson getrennt zu werden. Bei einem quantitativ bedeutenden Teil ist die Verweigerung eine Folge von Anpassungsstörungen, depressiven Störungen oder sozialen Phobien (Globirsch & Kunert, 2013).
An der Praxis der Entschuldigung bzw. Krankschreibung von Schülern zeigt sich oft, wie wenig durchschaubar die Verhaltensweisen im Graubereich zwischen krankheitsbedingtem Fehlen und illegitimem Versäumnis sein kann. Bei näherer Beobachtung ist des Öfteren ein Verhaltensmuster erkennbar, bei dem angesichts einer psychischen Drucklage die Flucht in eine körperliche Krankheit ergriffen wird. Die Schüler geben Anzeichen einer somatoformen Störung zu erkennen und klagen über Schmerzen und Krankheitssymptome (u.a. Kopf- und Bauchschmerzen, Übelkeit) für die sich häufig keine organischen Gründe finden lassen. Die tatsächlichen, zumeist psycho-sozialen Gründe, die den Schulbesuch erschweren oder verhindern, sind von somatischen maskiert.

Versäumnisse mit Elternbilligung
Das Zurückhalten von Schülern durch Erziehungsberechtigte stellt eine Form des
Schulabsentismus dar, die aus schulischer Sicht besonders schwierig zu handhaben ist, da die Initiative zum Fernbleiben der Schule nicht vom Schüler, sondern von den Erziehungsberechtigten ausgeht oder zumindest mit deren Einverständnis geschieht. Die Ursachen und Begleitumstände des Zurückhaltens auf Seiten der Erziehungsberechtigten sind vielfältig (Ricking et al., 2009). Z. B.:

  • Gleichgültigkeit gegenüber Schule und der schulischen Ausbildung des Kindes (oft vor dem Hintergrund eigener negativer Schulerfahrungen)
  • Allgemeine schulkritische Haltung (der Schule wird bspw. eine krankmachende Wirkung zugeschrieben)
  • Kulturell bedingte Kritik bzw. Ablehnung der Schulpflicht (z.B. für Mädchen mit Migrationshintergrund)
  • Religiös bedingte Kritik bzw. Ablehnung curricularer Inhalte (z.B. Biologie, Sexualkunde)
  • Der Schulbesuch wird nicht gefordert, weil der Schüler bereits substanziell arbeitet (und ggf. zum Familieneinkommen beiträgt)
  • Eine physische oder psychische Erkrankung eines Elternteils schränkt die Überwachung des Schulbesuchs ein oder bedingt die Mitarbeit des Kindes Zuhause (z.B. wegen pflegerischer Tätigkeiten)
  • Der Schulbesuch wird ausgesetzt, damit sichtbare Anzeichen von Kindesmissbrauch oder Verwahrlosung unerkannt bleiben. (Schulze & Wittrock, 2008).

Wenn Erziehungsberechtigte eine negative, gleichgültige oder sogar feindselige Einstellung gegenüber der Schule oder dem Schulbesuch an den Tag legen, folgen oftmals Auseinandersetzungen um die Schulpflicht. So landen immer wieder Konflikte um die Schulpflicht vor Gerichten, weil Eltern - nicht selten, weil sie bestimmte Unterrichtsinhalte ablehnen – es vorziehen ihre Kinder selbst zuhause zu unterrichten. Die deutsche Rechtsprechung sieht hier keine Spielräume und urteilt konsequent im Sinne der Schulpflicht.

3 Prävalenz und Verteilung
In etwa der Hälfte der Schülerschaft der Sekundarstufe 1 ist Schulabsentismus Teil des Handlungsrepertoires; die weitaus meisten Schüler gehen jedoch verantwortlich damit um und fehlen allenfalls selten oder gelegentlich ohne gültige Entschuldigung (Weiß, 2007). Massivere Formen von gewohnheitsmäßigem Schulabsentismus weisen etwa 3 - 5% eines Jahrgangs auf, in dieser Gruppe sind Jungen überrepräsentiert. Die Fehlquoten steigen allgemein nach dem Übergang in die weiterführenden Schulen deutlich an, mit Höchstwerten zumeist in den 8. und 9. Jahrgängen (Baier, 2012). Bezüglich der Geschlechter ist von einer Gleichverteilung auszugehen, mitunter werden leicht erhöhte Anteile auf Seiten der
weiblichen Schüler gemessen (Rat für Kriminalitätsverhütung in Schleswig- Holstein, 2007). Wenn auch an allen Schulformen illegitime Versäumnisse vorkommen, sind hohe Fehlquoten gehäuft an Schulen mit eher niedrigen akademischen Anforderungen zu erkennen. Im regionalen Vergleich fehlen in den neuen Bundesländern deutlich weniger Schüler als in den alten, was mit einer höheren Kontroll- und Reaktionsdichte in den dortigen Schulen begründet wird (Baier, 2012).

4 Prävention
Präventive Maßnahmen finden Einsatz, bevor schulischer Misserfolg, eskalierende
Konfliktsituationen oder Suspendierungen einen Keil zwischen Schüler und Schule treiben. Ziel pädagogischer Prävention im Handlungsfeld Schule ist die Verstärkung und Förderung der Anwesenheit und Teilhabe am Schulleben und am Unterricht. Es geht also nicht nur um physische Präsenz, sondern darum, möglichst alle Schüler durch Beziehungs- und Lernangebote schulisch und unterrichtlich einzubinden und auf diesem Weg Schule positiv erlebbar zu machen (Hillenbrand & Ricking, 2011).

Zielklärung: schulische Partizipation
Allen Professionellen, die mit schulmeidenden Kindern und Jugendlichen arbeiten, sollte die Zielausrichtung bewusst sein: Es geht nicht allein um physische Anwesenheit, sondern darum Lern- und Entwicklungsprozesse der Kinder und Jugendlichen in der Schule zu ermöglichen. Lern- und Entwicklungsfortschritte bedingen Partizipation, Partizipation bedingt Anwesenheit. Dabei ist eine hohe Partizipation gerade von denjenigen Schülern anzustreben, die durch Leistungsprobleme, einen niedrigen sozialen Status oder anderer unvorteilhafte
Merkmale schnell an den Rand gedrängt werden (Ricking, 2012).

Die Ernsthaftigkeit des Problems wahrnehmen
Wenn Kinder oder Jugendliche für einen längeren Zeitraum oder häufig den Schulbesuch verweigern, ist dieses in der Regel ein Indikator für die ernsthafte Lage, in der sie sich befinden und aus der sie ohne Hilfe von außen nicht herausfinden. Häufig ist es ein Indikator 4 für eine psychische Störung, die einen Behandlungsbedarf hervorruft (Knollmann et al. 2009). Daher ist es von zentraler Relevanz, dass die nach wie vor erkennbare Tabuisierung oder Bagatellisierung dieser Problematik überwunden wird. Schulabsentismus muss im Kontext einer offenen und lösungsorientierten Einstellung die notwendige Aufmerksamkeit
zukommen, sodass hilfreiche und angemessene Aktivitäten entstehen. Warnsignale erkennen Schulabsentismus ist nicht als situatives Ereignis zu verstehen, sondern als Resultat einer Entwicklung, die sich regelhaft in der Sekundarstufe zeigt, jedoch vielfach bereits in der Primarstufe von ungünstigen Verläufen (z. B. mit Disziplinkonflikte, Schulversagen) geprägt ist. Es wird deutlich, dass präventive Maßnahmen gezielter Lernunterstützung sowie zur Stärkung sozialer Bindungen bereits in der Grundschule gefordert sind (Hillenbrand & Ricking, 2011). Als konkrete Warnsignale gelten Lernverweigerung oder Rückzug und Gleichgültigkeit gegenüber der Schule, aber auch wiederholtes Zuspätkommen und deutliche
Unterrichtsstörungen (evtl. als Zeichen einer inhaltlichen oder sozialen Abkopplung) oder unangemessen langen Fehlzeiten aufgrund von Bagatellkrankheiten (die als Initial für Meidungsverhalten mit psycho-somatischen Anteilen verstanden werden können).

Gewöhnungsprozesse unterbinden
Gewöhnungsprozesse durch lange Fehlzeiten sollten möglichst unterbunden werden. So ist es zumeist nicht sinnvoll die Schulpflichtigen langfristig krank zu schreiben oder zu entschuldigen. Ist eine pädagogische und/oder eine psychotherapeutische Intervention indiziert, sollte diese umgehend beginnen. Schulen müssen stets auf eine unerlaubte Fehlzeit zeitnah reagieren, beispielsweise durch ein Telefonat mit den Erziehungsberechtigten (möglichst noch am gleichen Vormittag) oder auch (wenn möglich) dadurch, den Schüler
aufzusuchen und abzuholen. Hintergründig unterstützend bemüht sich die Klassenlehrkraft um einen tragfähigen Kontakt zu den Erziehungsberechtigten.

Angsterleben minimieren
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, realistisch und konstruktiv mit dem Phänomen Angst in der Schule umzugehen. Ein gewisses Maß an Angsterleben zu akzeptieren, aber auch Gegenkräfte zu entwickeln und eine aktive Bewältigung zu fördern, werden heute als pädagogische Zielstellungen genannt. In der Regel ist es erforderlich, dass sich Schüler mit ihrer Angstsituation aktiv auseinandersetzen, um Verdrängung und Vermeidung zu überwinden. Liegen die das Kind belastenden Angstfaktoren außerhalb der Schule, ist eine enge Kooperation zwischen Eltern und Schüler erforderlich. Oft reicht dann der pädagogische Alltag nicht aus, dem Schüler substanziell zu helfen. Unter Umständen kann die Lehrkraft dabei unterstützen, einen Therapeuten einzuschalten.

Schüler und Eltern beraten
Schüler mit unregelmäßigem Schulbesuch zeigen oft einen ausgeprägten Beratungsbedarf. Sie benötigen Informationen und Unterstützung zur Lösung ihrer Probleme, um Verhaltensalternativen (zu Flucht- oder Meidungshandlungen) zu entwickeln. Der Begriff Beratung bezeichnet dabei Interaktionen, in denen Problemlösungen thematisiert werden oder eine Verbesserung der Handlungskompetenz des Ratsuchenden angestrebt wird. Mit der Unterstützung durch Beratung kann die herausfordernde Situation anders interpretiert und
dem Schüler können neue Optionen für das eigene Verhalten aufgezeigt werden. Auch im Rahmen der Kooperation mit Eltern ist Beratung auf formeller wie informeller Ebene eine unentbehrliche Methode.

5 Gezielte Intervention
Abhängig von einer diagnostischen Einschätzung sollten bei Schulabsentismus hilfreiche Maßnahmen ergriffen werden, die eine baldige Reintegration des Schülers ermöglichen. Viele Schulen verlassen sich bei überbordenden Fehlzeiten eines Schülers allein auf die Ahndung durch die formal-rechtlichen Handlungsschritte des in den Schulgesetzen kodifizierten Ordnungswidrigkeitsverfahrens. In diesem Kontext ist grundlegend, dass jede Schule alle pädagogischen Handlungsoptionen in ihrem Verantwortungsbereich ausschöpft, bevor Hilfe von außen initiiert oder eine rechtliche Maßnahme ergriffen wird (Hennemann et al., 2010). Ein schulisches Interventionskonzept dient v. a. der Fallklärung und der schulweit abgestimmten Umsetzung einer angemessenen Intervention. Die Schule zeigt damit die Bedeutung von Anwesenheit und Partizipation ihrer Schüler. Das Konzept enthält neben Festlegungen zum Umgang mit Fehlzeiten Entschuldigungsregelungen, strukturiert den Handlungsprozess und sollte als allgemeine Strategie von allen Lehrkräften umgesetzt werden.
In Fällen schulferner Genese oder massiver Intensität sind kooperative Hilfen angezeigt. Es ist von zentraler Bedeutung, dass sich entsprechende Institutionen (v. a. Jugendhilfe, Schule und Kinder- und Jugendmedizin) vernetzen und in ein lebendes System professioneller Hilfen eingebunden sind. Die Motive und Problemlagen, die zum Schulabsentismus führen, sind genauso wenig zu vereinheitlichen wie die Verhaltensweisen der Schüler damit umzugehen. Somit ist eine gründliche Fallklärung vor der Intervention geboten. Verhaltensmerkmale des
Schulabsentismus beim Schüler, die dem dissozialen Spektrum zuzurechnen sind, erfordern oftmals Maßnahmen, die die Kooperation von Jugendhilfe und Schule bedingen. Geht es eher um eine emotionale Problematik, in der Angst oder Depression im Kontext einer emotionalen Störung eine große Rolle spielen, sollten Einrichtungen der Schulpsychologie, der Kinder und Jugendpsychiatrie oder Pädiatrie eingeschaltet werden (Ricking, 2014).

6 Fazit
Die Erkenntnis, dass der Prävention von unerlaubten Schulversäumnissen eine enorme Bedeutung im Bildungswesen zukommt, breitet sich weiter aus. Es handelt sich um eine Kernfrage des schulischen Bildungssystems, der Bildungspolitik und der Schulpädagogik – die Bildungsbeteiligung der Heranwachsenden wird zu einer Zukunftsfrage unserer Gesellschaft. Auch wenn der Absentismus zumeist als individuelles Problem betrachtet wird, er ist auch ein Indikator für die Integrationskraft der Schulen und unserer Gesellschaft. Schulen und unterstützende Dienste haben dabei die Möglichkeit, auch für schwächere und
marginalisierte Schüler einen Lern- und Lebensraum zu schaffen, der sie teilhaben lässt und Schule positiv erlebbar macht. Die aufgelaufenen Kenntnisse sollten in Zukunft zu einer intensiven Anwendung in der Schulwirklichkeit kommen, sodass die schulische Bildung für möglichst viele Schüler von einer positiven psycho-sozialen Entwicklung begleitet wird.

7 Literatur
Baier, D. (2012). Die Schulumwelt als Einflussfaktor des Schulschwänzens. In H. Ricking & G. Schulze (Hrsg.), Schulabbruch – ohne Ticket in die Zukunft? (S. 37-62). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Frings, R. (2007). Schulschwänzen und Delinquenz. In M.Wagner (Hrsg.), Schulabsentismus. Soziologische Analysen zum Einfluss von Familie, Schule und Freundeskreis (S. 201-237). Weinheim und München: Juventa.
Globirsch, M. & Kunert, D. (2013). Schulabsentismus und psychosomatische Störungen. Kinderärztliche Praxis, 84, 160-164
Hennemann, T., Hagen, T. & Hillenbrand, C. (2010). Dropout aus der Schule – Empirisch abgesicherte Risikofaktoren und wirksame pädagogische Maßnahmen. Empirische Sonderpädagogik, 3, 26-47
Hennemann, T. & Hillenbrand, C. (2007). Präventionsprogramme gegen Dropout. Classroom Management und Check & Connect. Lernchancen, 60, 28-31.
Hillenbrand, C. & Ricking, H. (2011). Schulabbruch. Ursachen – Entwicklung – Prävention. Ergebnisse us-amerikanischer und deutscher Forschungen. Zeitschrift für Pädagogik, 2, 153-172.
Kindler, W. (2009). Schnelles Eingreifen bei Mobbing. Mülheim: Verlag an der Ruhr.
Knollmann, M., Al-Mouhtasseb, K. & Hebebrand, J. (2009). Schulverweigerung und
psychische Störungen: Merkmale von schulverweigernden Kindern und Jugendlichen und ihren Familien einer kinder- und jugendpsychiatrischen Schulverweigererambulanz. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 58, 6, 434-449
Rat für Kriminalitätsverhütung in Schleswig-Holstein (2007). Konzept gegen
Schulabsentismus
. Kiel: Rat für Kriminalitätsverhütung.
Ricking, H. (2012). Was tun gegen Schulschwänzen? – Handlungshilfen für Lehrkräfte. Pädagogik, 9, 32-35.
Ricking, H. (2014). Schulabsentismus. Berlin: Cornelsen
Ricking, H., Schulze, G. & Wittrock, M. (2009). Schulabsentismus und Dropout. Strukturen eines Forschungsfeldes. In H. Ricking, G. Schulze, M. Wittrock (Hrsg.), Schulabsentismus und Dropout (S.13-48). Paderborn: Schöningh.
Ricking, H. & Schulze, G. (Hrsg.) (2012). Schulabbruch – ohne Ticket in die Zukunft? Bad Heilbrunn: Klinkhardt
Schulze, G. & Wittrock, M. (2008). Schulaversives Verhalten. In B. Gasteiger-Klicpera, H. Julius & C. Klicpera (Hrsg.), Sonderpädagogik der sozialen und emotionalen Entwicklung (S. 219-233). Göttingen: Hogrefe.
Weiß, B. (2007). Wer schwänzt wie häufig die Schule? Eine vergleichende Sekundäranalyse auf Grundlage von 12 deutschen Studien. In M. Wagner (Hrsg.), Schulabsentismus. Soziologische Analysen zum Einfluss von Familie, Schule und Freundeskreis (S. 37-55). Weinheim: Juventa.

Autor:
Prof. Dr. H. Ricking
Universität Oldenburg
F1 – Sonderpädagogik
26111 Oldenburg
heinrich.ricking@noSpam.uni-oldenburg.de