Bulletin

Ausgabe 2: Neue Schule im Sozialraum

(April 2015)

Unser Unbehagen, unsere Sorge
Zahlreiche Kinder wachsen in Deutschland in bildungsfernen und anregungsarmen Lebenslagen auf. Vor dem Hintergrund tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen und angesichts beträchtlicher Entwicklungsrückstande starten diese Kinder oft mit sehr ungünstigen Chancen ins Leben. Wir finden diese Kinder vor allem in Familien in Multiproblemlagen, mit einer Häufung von sozialen, ökonomischen sowie psychischen und medizinischen Schwierigkeiten. Eltern, die mit der Erziehung überfordert sind, und Lebensräume, die keine Entfaltung zulassen, bringen die psycho-soziale Gesundheit einer seit Jahren deutlich zunehmenden Zahl von Kindern und Jugendlichen in Gefahr. Ihr Wohlergehen muss jetzt im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen; es erfordert unser entschiedenes Handeln. Die Probleme dieser Kinder, die wir in der ersten Ausgabe des Bulletins (Januar 2014) mit Blick auf das Vorschulalter beschrieben haben, wirken sich häufig negativ auf den nächsten großen Schritt in der noch jungen Biografie aus: den Schritt in die Schule.

Darum soll es im Folgenden gehen. Mit dem Übergang in die Schule sind gesellschaftlich definierte Entwicklungsaufgaben und Leistungsanforderungen verbunden, denen dieser Teil der Schülerschaft vielfach nicht zu entsprechen vermag. Etwa 15 - 20 % aller Kinder sind von schlechten Startchancen bei Schuleintritt betroffen, die sich regelmäßig in Anpassungsproblemen und unterdurchschnittlichen schulischen Ergebnissen Ausdruck verschaffen. Diesen Kindern gelingt es häufig nicht, ihre tatsächlichen Fähigkeiten auszuschöpfen; sie bleiben unter ihren Möglichkeiten. Das wird durch den aktuellen Bildungsbericht der OECD (2014) gestützt, in welchem der sozioökomische Status der Eltern sowie ein Migrationshintergrund als klare Risikofaktoren für den langfristigen schulischen Erfolg herausgearbeitet werden.

Neben der körperlichen bestimmt auch die psycho-soziale Gesundheit das Wohlbefinden und ist dar-über hinaus eine zentrale Bedingung für ein gelingendes Aufwachsen im Sinne positiver Entwicklung und Entfaltung zu eigenverantwortlicher, leistungsfähiger und leistungsbereiter Persönlichkeit. Benachteiligte Kinder sind also dreifach beeinträchtigt: in ihren Bildungschancen, in ihren gesundheitlichen und in ihren sozialen Entwicklungsmöglichkeiten. Zu viele von ihnen weisen in den weiterführenden Schulen ein niedriges Leistungsprofil und hohe Fehlzeiten auf, verlassen mit geringen Qualifikationen die Schule und bilden eine Hochrisikogruppe für spätere Devianz, Gesundheitsprobleme, Armut und Arbeitslosigkeit. Nicht gelöste schulische Problemlagen bleiben insofern kein schulisches Problem - ihnen folgen mit hoher Wahrscheinlichkeit prekäre Lebensverhältnisse im Erwachsenenalter.

Herausforderungen
Nach Jahrzehnten des Reformstaus müssen sich Schulen neu orientieren und auf viele gesellschaftliche Veränderungen konzeptionelle Antworten finden. Dabei sollte es nicht ständig darum gehen die Kennwerte für schulische Leistung zu erhöhen. Das Potenzial der Schulen zu stärken, sich programmatisch auf eine heterogene Schülerschaft auszurichten und dabei schwächere Schüler, solche mit Migrationshintergrund, aus Familien mit Multiproblemlagen oder mit problematischem Verhalten gleich-berechtigt partizipieren zu lassen und zu fördern, kann als zentrale Zukunftsaufgabe von Schule betrachtet werden. Dabei stellen sich einige Herausforderungen.

Wie kann es gelingen,
… die Ressourcen der 15-20% „abgeschriebenen“ Kinder und Jugendlichen in unserer Gesellschaft wahrzunehmen, ohne sie in die große Gruppe derjenigen abzuschieben, die in unserer Gesellschaft nicht gebraucht werden? Dabei geht es nicht nur um die Sorge um den Einzelnen, wir als schrumpfen-de Gesellschaft können auf den sozialen und wirtschaftlichen Beitrag dieser Kinder von heute schon in naher Zukunft nicht verzichten: Keiner darf verloren gehen!

… die Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft zu mindern? Bei dieser Frage sind neben festgefahrenen Einstellungen und Vorurteilen in Schule und Gesellschaft strukturelle Entscheidungen im Bildungswesen anzusprechen. Die Stärkung und der Ausbau der Gesamtschule als Gemeinschaftsschule ist dabei ein wesentlicher Aspekt.

… im weitesten Sinne gesunde Bedingungen für das Leben und Lernen in der Schule zu realisieren? Und damit die Strukturen der Förderung in den Schulen bedarfsgerecht weiterzuentwickeln, sodass das Postulat der Bildungsgerechtigkeit eingelöst werden kann?

Was ist auf dem Weg zu einer gesunden Schule im Sozialraum bisher gelungen?

1. Inklusion auf den Weg gebracht
Die beschlossene Wende zur Inklusion im deutschen Schulsystem ist richtig und überfällig. Sie schafft mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Es geht um den Prozess des Eingliederns oder Einschließens in das soziale Ganze einer Schule und Klasse für alle Schüler. Nicht nur Schüler mit Migrationshintergrund, aus benachteiligten Verhältnissen und/oder mit Behinderung haben mit dieser wichtigen Entscheidung für die Gestaltung von Schule erweiterte Handlungsspielräume in ihrer eigenen Schullaufbahn. Schulische Inklusion braucht einen beziehungs- und bindungsintensiven Rahmen, benötigt angepasste didaktische Ansätze, eine ausgeprägte Kooperation mit Erziehungsberechtigten und die Einbindung in funktionierende Netzwerke unterstützender Dienste. Dabei sollten die Haltungen und Einstellungen der Akteure in den pädagogischen Feldern nicht von Vorurteilen geprägt sein und Verschiedenheit nicht nur als Problem bewerten, sondern Chancen in der Heterogenität sehen. Für diese und weitere Bedingungen gelingender Inklusion sollten den Schulen noch Entwicklungszeiten zugestanden werden. Die Ressourcen, v. a. personale, müssen jedoch von Anfang an weitgehend bedarfsgerecht zur Verfügung stehen, was nur selten der Fall ist. Eine gute Idee ist in Gefahr kaputt gespart zu werden.

2. Ganztagsschule in Angriff genommen
Das Label Ganztagsschule ist auf immer mehr Briefköpfen von Schulen zu finden. Die Ganztagsschule ist aus pädagogischen Gründen sinnvoll; sie ist auch die richtige Antwort auf die heutigen Anforderungen der Arbeitswelt an die Erziehungsberechtigten. Ganztagsschule gibt darüber hinaus die Chance, schulische Förderung mit einem neuen  Bildungsverständnis zu verbinden, aus dem sich eine zeitgemäße Lernkultur mit breit angelegten Partizipationsmöglichkeiten für Schüler entwickelt. Wenn Schulen sich zu Ganztagsschulen entwickeln, erfordert dies somit eine Neuorientierung zu einer ganzheitlichen, interessenbezogenen Förderung. Das kann Ganztagsschule leisten, wenn sie nicht nur eine zeitliche Ausdehnung der Unterrichtszeit beinhaltet, sondern eine klare qualitative Veränderung von Schule mit sich bringt. Dieser Anforderung können sehr viele Ganztagsschulen noch nicht entsprechen.

3. Flexible Schuleingangsphase
Der Schuleintritt mit den hohen Erwartungen wird für viele Kinder aus benachteiligten Lebenslagen als tiefer Einschnitt erlebt, und sie benötigen oft erheblich mehr Zeit, sich darauf einzustellen. Daher ist es zu begrüßen, dass eine zunehmende Zahl von Grundschulen die Flexibilisierung der Schuleingangsphase umgesetzt hat oder anstrebt. So können beispielsweise Kinder drei Jahre in Anspruch nehmen, um den Stoff der ersten beiden Schuljahre zu erlernen, ohne sitzen zu bleiben.

Was ist auf diesem Wege nicht gelungen bzw. läuft in die falsche Richtung?

Die Partizipation von Heranwachsenden am Bildungssystem, also die Frage in welchem Ausmaß und mit welchen qualitativen Wirkungen Schüler in Deutschland an schulischer Bildung teilhaben, ist zu einer Zukunftsfrage für das Land gereift. Infolge der internationalen Bildungsstudien mit mäßigen Resultaten für die Bundesrepublik ging es bislang v. a. darum, den Leistungs-Output der Schulen zu erhöhen. Es war immer wieder eher eine Randnotiz, dass ein Fünftel der Schüler der Sekundarstufe 1 kaum sinnentnehmend Lesen kann und Zehntausende die Schulen ohne Abschluss verlassen. Andererseits besteht die berechtigte Befürchtung, dass die steigenden Leistungserwartungen und ein entsprechender Druck noch mehr Versagen, Resignation und Entkopplung von Schule bewirken. Nach wie vor profitiert ein beträchtlicher Teil der Schülerschaft vom Bildungsangebot der öffentlichen Schulen nur sehr eingeschränkt und kann Schule für sich nicht mit Erfolg nutzbar machen.

Für die Lebenschancen dieser Kinder und Jugendlichen ist die Qualität und Angemessenheit der Erziehungs- und Bildungsarbeit an Schulen von entscheidender Bedeutung. In diesem Kontext haben sich die Erwartungen an Schule verändert: Die traditionelle Position mancher Schulen, dass sich Schüler ihren inflexiblen Erwartungen bedingungslos anpassen müssten (Wer nicht passt, geht!), ist nicht mehr zeitgemäß und angesichts der Herausforderungen der Inklusion nicht mehr akzeptabel.

Im Gegenteil: Heute ist von Schulen zu erwarten, dass sie sich auf die zunehmende Heterogenität ihrer Schülerschaft systematisch einstellen und bedarfsgerecht Unterstützungsangebote vorhalten, die Schülern ermöglichen, jene Selbst- und Sozial- und Fachkompetenz auszubilden, die sie für ein selbst bestimmtes Leben sowie eine aktive und partizipierende Daseinsentfaltung benötigen. Die Schulen müssen über die dazu nötigen Ressourcen allerdings auch verfügen können. In kritischer Zusammenfassung bedeutet dies:

  • Das Potenzial der Grund- und weiterführenden Schulen, sich auf benachteiligte Schüler einzustellen, ist entwicklungsfähig. Es ist einerseits zu konstatieren, dass die meisten Einrichtungen nur über wenige Optionen verfügen, den Bedarfen, die sich vielfach als Lern- und Verhaltensprobleme äußern, angemessen zu begegnen.
  • Andererseits ist davon auszugehen, dass in vielen Schulen desintegrative Kräfte wirken. Dabei stellen ungünstige Lern- und Lebensbedingungen mit einer mangelhaft ausgeprägten Schul- und Leistungskultur Risikofaktoren dar, die der Entwicklung aller Kinder abträglich sind. Damit nimmt unsere Gesellschaft in Kauf, dass Schule grundlegende soziale und emotionale Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ignoriert und gerade Schüler, die regelmäßig  und überwiegend versagen und an schulischen Anforderungen verzweifeln, psychisch schwer beschädigt und seelisch deformiert werden.
  • Diese Schüler erfahren zudem durch institutionalisierte Selektionsmaßnahmen oft so viel Zurückweisung und Frustration, dass ihre Distanzierung und selbstgewählte Trennung von schulischen Bezügen nicht verwundern kann. 

Schulen haben also die Aufgabe, auch Schüler, die am Rande stehen und deren Verhalten eine pädagogische Herausforderung darstellt, zu stärken und einzubinden. Dabei stehen zum einen pädagogische und didaktische Lösungen im Mittelpunkt, die in Schulentwicklungsprozessen zu erarbeiten sind. Zum anderen sind materielle und personale Ressourcen einzufordern, um Schule zu einem multidisziplinären Förderort zu machen, an dem z. B. Schulsozialarbeit keine Besonderheit, sondern eine Selbstverständlichkeit ist.

Wie muss sich Schule verändern, welches sind die dringlichen nächsten Schritte?

Schule muss ein gesellschaftliches Instrument werden, das die individuellen Voraussetzungen für Bildung, v.a. den sozialen Status und die Herkunft, nicht weiter zementiert oder verstärkt, sondern - soweit es geht – kompensiert. Mehr Chancengleichheit erfordert ein Umdenken, braucht das Zulassen von Heterogenität in Lerngruppen wie auch die Berücksichtigung der Individualität des Einzelnen. Nicht Selektionsmaßnahmen wie Rückstellung, Klassenwiederholung oder Schulwechsel sind die angemessenen Antworten auf Leistungsheterogenität, sondern ein differenziertes Lernarrangement innerhalb einer Schulgemeinschaft, in der eine gute Balance herrscht zwischen dem Spektrum der Voraussetzungen auf Schülerseite und dem Bildungsangebot wie auch den Erwartungen der Schule. Da Gesundsein ein elementarer Bestandteil von Wohlbefinden, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit ist, muss Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitskompetenz integraler Bestandteil umfassender Förderkonzepte von Kindern und Jugendlichen sein. Davon profitieren insbesondere diejenigen Kinder und Jugendlichen, die bildungsfern und gesundheitlich belastet aufwachsen.

Der Gesundheitsförderung und Prävention im Kontext von Schule und anderen Bildungssettings, wie z. B. den Kindertagesstätten, kommt noch eine weitreichendere Bedeutung zu. Wie durch Forschungsergebnisse immer deutlicher belegt wird, ist Gesundheit auch ein Treiber, eine Ressource von Bildung. So sind z.B. emotional-soziale Kompetenzen, die ja ein Aspekt psychischen Gesundheit sind, der Lernleistung und dem Lernerfolg der Schüler im Unterricht sehr zuträglich. Schule leistet also nicht nur Gesundheitserziehung und -bildung, sondern kann durch geeignete Präventions- und Gesundheitsfördermaßnahmen das Lernen erfolgreicher gestalten.

Was bedeutet das konkret?

All dies zielt darauf ab, dass Schule zu einer gesunden Organisation wird, die in ihren Schulentwicklungsprozess Gesundheit systematisch integriert hat und damit eine gute Schule entwickelt. Die einzelnen Maßnahmen lassen sich aber nicht auf Ernährung und Bewegung der Schülerinnen und Schüler reduzieren. Sie zeigen vielmehr, auf welch vielfältige Weise Schule mit Gesundheit entwickelt werden kann. Einige Prinzipien und Leitlinien sollen das verdeutlichen:

  • Grundsätzliche Verankerung: Die Förderung des psychischen, physischen, sozialen, ökologischen und spirituellen Wohlbefindens eines jeden Schulmitglieds ist Bestandteil des Schulprogramms und damit als Leitlinie der Schulentwicklung in der Schulkultur verankert.
  • Öffnung der Schule und Lebensweltorientierung: Schule darf keine abgeschlossene Institution sein, sondern muss sich der Wirklichkeit und v. a. der Lebenswelt der Schüler öffnen (Kooperationen, außerschulische Lernorte). Sie ist nicht mehr nur Lernort, sondern auch Lebensort, an dem sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen können, wichtige positive Erfahrungen machen und eine pädagogisch gestaltete Umwelt vorfinden, die Entwicklung fördert.
  • Lern- und Entwicklungsbedürfnisse als Leitlinien: Nicht das Curriculum der Fächer ist der Kristallisationspunkt schulischen Handelns, sondern die Lern- und Entwicklungsbedürfnisse sowie die pädagogischen Bedingungen für ein gesundes Aufwachsen der Kinder und Jugendlichen.
  • Neue Strukturen: Schule ist mehr als Unterricht! Der heutige Fächerkanon, eine Setzung vom Ende des 19. Jahrhunderts, bedarf der Überarbeitung. Zeitgemäße Formate sind gefragt: Fächerübergreifendes, projektorientiertes Lernen zu relevanten Themen, beispielsweise über die Erziehung von Kindern oder den Umgang mit Drogen, vermittelt Lebenskompetenzen, die für Schüler heute wichtig sind.

Damit ist auf eine sehr umfassende Weise dem zentralen Anliegen der Schule gedient, Kindern und Jugendlichen eine gute, gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Schule ist nicht mehr nur Lernort, sondern wird Lebensort für die Kinder und Jugendlichen. Sie bildet mit ihrem Norm- und Wertesystem einen sozialen Anker in der Lebenswelt der Schüler.

Wir fordern vor diesem Hintergrund eine weitgehende Neuausrichtung von Schule. Das bedeutet, dass vieles, was in Schulen traditionell für normal gehalten wird, auf den Prüfstand kommt. Schule muss vom Kind her gedacht werden - dessen Bedürfnisse für ein erfüllendes Lernen und eine psychisch wie physisch gesunde Entwicklung markieren die Eckpunkte der zukünftigen Schule. Konkret bedeutet das u. a.:

  • Gesunde Bedingungen schaffen: Die Ansatzpunkte reichen von ausreichendem Platz und viel-fältiger Anregung in den Klassen und auf dem Schulgelände über altersangemessenes, rückengerechtes Mobiliar bis zur gesundheitsgerechten Belüftung und Beleuchtung der Klassen-räume. Schülerinnen und Schüler können sich während des Unterrichts bewegen, aber auch in separaten Räumen Ruhe finden (dynamisches Sitzen, Bewegungspausen, Entspannungs- und Entlastungsphasen).  Auch ist für eine gesunde Schulverpflegung gesorgt.
  • Lehr-Lernprozesse unter Gesundheitsgesichtspunkten: Die gesundheitsangemessene didaktische und methodische Gestaltung des Unterrichts gewährt den Schülerinnen und Schülern Spielräume beim Lernen, eröffnet ihnen damit Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für individuelle Lernwege (Differenzierung, Individualisierung des Unterrichts). Sie fördert Kooperation und Unterstützung  untereinander im Unterricht, stellt Lebensweltbezüge her, trennt die Lern- und Leistungsphasen klar und ist transparent in den Kriterien der Leistungsbeurteilung.
  • Leistungsverständnis: All das bedeutet nicht, dass in Schule keine Leistungsanforderungen gestellt werden dürfen. Die schädigenden Auswirkungen dauerhafter Versagenserlebnisse auf die Psyche (z. B. negatives schulisches Selbstkonzept) und Motivation (Lernverweigerung, Schulabsentismus, Dropout) sind jedoch zu minimieren. Leistung ist eine individuelle Größe, und jeder Schüler hat das Recht auf Erfolg in der Schule im Rahmen seiner Möglichkeiten.
  • Förderung von Lebenskompetenzen: Integriert in den schulischen Handlungsplan ist eine früh-zeitige Förderung von Lebenskompetenzen, v. a. in den Bereichen Emotionalität, Soziabilität, Sprache und Kognition, Ernährung und Bewegung, um (benachteiligte) Kinder und Jugendlichen bei der erfolgreichen Bewältigung der jeweiligen Entwicklungsaufgaben durch Trainings oder andere pädagogische Maßnahmen zu unterstützen.
  • Wertschätzende Schulleitung: Die Schulleitung führt das Kollegium gesund durch Respekt und Wertschätzung, aber auch, indem sie klare Orientierung vorgibt und eine positive Beziehungskultur fördert.
  • Fortbildungen für Lehrkräfte: Das Kollegium ist durch Fortbildungen geschult, wie Gesundheitsförderung im schulischen Alltag umgesetzt werden kann. Die Lehrkräfte verfügen auch über Kompetenzen mit beruflichen Herausforderungen und Belastungen angemessen umzugehen.
  • Interdisziplinarität: Schule muss ein Arbeitsort verschiedener Disziplinen sein. Lehrkräfte können auf Lernbedürfnisse eingehen, Sozialarbeiter und Psychologen auf die psycho-sozialen Bedarfe, Krankenschwestern und –pfleger eher auf Aspekte körperlicher Gesundheit. Darin wird die Ganzheitlichkeit der Förderung deutlich.
  • Gestaltungsfreiheit: Schulen müssen von Kultusministerien und Schulbürokratie vor dem Hintergrund klarer Zielsetzungen ausreichend Gestaltungsfreiheit erhalten, um sich in diesem Sinne entwickeln zu können.